Interview mit Christiane Lambert zu Bauernprotesten in Europa Interview mit Christiane Lambert zu Bauernprotesten in Europa

Interview mit Christiane Lambert zu Bauernprotesten in Europa


Agrargesellschaft im Protest: Die Herausforderungen, denen sich europäische Bauern stellen müssen

Europäische Bauern sind in Aufruhr. Übermäßige bürokratische Anforderungen und Herausforderungen in Sachen Klimawandel, Steigende Produktionskosten und die Auswirkungen des Krieges in der Ukraine führen bei vielen zu einem Gefühl der Entfremdung und Ungerechtigkeit. Dies berichtet Christiane Lambert, Präsidentin des europäischen Verbands der Berufsorganisationen im Agrarbereich.

Demnach fühlen sich viele Landwirte mit überzogenen Klimaschutzmaßnahmen und unrealistischen ökologischen Zielen konfrontiert, die sie auch finanziell belasten. Lambert, die ehemalige Präsidentin des führenden französischen Bauernverbands FNSEA, spricht dabei von einer kollektiven „Verärgerung“.

Ein besonders umstrittener Faktor ist die Steuer auf Diesel, die durch die ökologische Ausrichtung der deutschen Agrarpolitik ausgelöst wurde. Diese Kombination scheint das Fass für viele deutsche Bauern, knapp 40% von ihnen, zum Überlaufen zu bringen, da sie nicht von den durch strenge Umweltauflagen definierten Öko-Regimen profitieren können.

Es ist jedoch nicht nur Deutschland, dass diese Unzufriedenheit empfindet. In Ländern wie den Niederlanden, Frankreich, Rumänien, Italien und Spanien sieht man ähnliche Protestbewegungen. Jedoch ist die Frage, was diese Welle von Widerstand in diesem Moment ausgelöst hat?

Die Antwort ist vielschichtig: enorm gestiegene Energiepreise, höhere Kosten für Arbeitskräfte und Tierfutter und klimatische Veränderungen tragen alle ihren Teil dazu bei. Hinzu kommen die Auswirkungen des Krieges in der Ukraine und die damit verbundenen Importprobleme von Nahrungsmitteln in die EU, was den Markt destabilisiert und die Preise weiter senkt.

Trotz all dieser Herausforderungen erwartet die Europäische Kommission von den Landwirten noch strengere ökologische Maßnahmen. Der Green Deal der EU droht die landwirtschaftliche Produktion zu reduzieren, mit der Konsequenz, dass mehr Produkte importiert werden müssen, die nicht den gleichen Standards entsprechen.

Die Landwirte wünschen sich keine Konfrontation mit ökologischer Verantwortung. Ihnen geht es eher um realistische Zielsetzungen, angemessene Unterstützung und klare Zeitleisten. Christiane Lamberts Schlussfolgerung: „Es wird Zeit für ein Erwachen – und das wird schmerzhaft sein.“



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