Mediterrane Banden: Korsikanische Clan-Aktivitäten in Marseille Mediterrane Banden: Korsikanische Clan-Aktivitäten in Marseille

Mediterrane Banden: Korsikanische Clan-Aktivitäten in Marseille


Mittelmeer-Netzwerke, Korsische Clans und Marseille als Transitpunkt: Ein Blick auf die Auswirkungen von Infrastruktur

Manuel Borutta, Professor für Neuere und Neueste Geschichte, forscht an der Universität Konstanz über die Auswirkungen von Infrastrukturveränderungen im Mittelmeerraum. Dabei untersucht er nicht nur die direkten wirtschaftlichen Konsequenzen, sondern auch die kulturellen Umwälzungen, die solche Maßnahmen mit sich bringen.

Eines seiner Beispiele ist die Insel Korsika, die im späten 19. Jahrhundert an das Netz der französischen Dampfschifffahrt im Mittelmeer angeschlossen wurde. Der darauffolgende Ansturm von industriell hergestellten Lebensmitteln aus dem Festland, insbesondere aus Marseille, führte zu einem wirtschaftlichen Niedergang der insularen Landwirtschaft. Viele junge Korsen verließen ihre Heimat und siedelten in Marseille und anderen Teilen des französischen Kolonialreichs. Sie pflegten ihre korsischen Traditionen und sorgten so für den Erhalt ihrer kulturellen Identität.

Borutta forscht auch über die korsischen Netzwerke in Algerien. In den 1950er-Jahren lebten dort rund 100.000 Korsen, die stark in Militär, Verwaltung und Polizei vertreten waren, zugleich aber eng mit ihrer Heimatinsel verbunden blieben. Sie gründeten landsmannschaftliche Vereine, pflegten korsische Traditionen und hielten die Verbindung zur Heimat aufrecht.

In Marseille entstand durch die Einwanderung von Korsen ein korsisches Viertel, das seit den 1930er-Jahren als eine Hochburg der organisierten Kriminalität gilt. Manuel Borutta verdeutlicht, dass das organisierte Verbrechen Kulturelle Infrastrukturen nutzen kann und dies auch tut. Er bezeichnet Marseille noch heute als eine Problemstadt Frankreichs und eine Hochburg der Drogenkriminalität.

Manuel Borutta betont die Rolle der Kulturwissenschaften, um Konflikte und Dynamiken wie diese besser zu verstehen. Er sieht die Notwendigkeit einer theoretischen Fundierung des Konzepts kultureller Infrastrukturen und will dies im Rahmen seines Forschungsschwerpunkts erreichen.

In dem ausführlichen Gespräch mit Manuel Borutta, das im Digitalmagazin der Universität Konstanz nachzulesen ist, wird deutlich, dass Infrastruktur mehr ist als nur die physische Basis von Wirtschaft und Gesellschaft. Sie ist vielmehr ein Instrument, das sowohl positive als auch negative Auswirkungen auf die Kultur und die Menschen haben kann. Aus diesem Grund ist es wichtig, alle Aspekte von Infrastrukturen zu berücksichtigen, wenn man ihre Gesamtwirkung betrachtet.

In diesem Sinne lässt Manuel Borutta seine Arbeit nicht nur einen wertvollen Beitrag zur wissenschaftlichen Diskussion, sondern liefert auch praktische Erkenntnisse für die Ausarbeitung zukünftiger Infrastrukturprojekte im Mittelmeerraum.



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